Menschen gehen auf Menschen los. Reden nicht mehr miteinander. Hören nicht mehr aufeinander. Schießen nur noch. Erst mit Worten, dann mit Gewehren. Zum Glück gibt’s den Himmel.

Die Pole schmelzen, die Wälder verdursten und verbrennen. Küsten werden überspült, während anderswo Felder verdorren. Das Klima ist außer Rand und Band und lässt sich kaum noch bändigen. Zum Glück gibt’s den Himmel.

Sinnlose Kriege allerorten. Überquellende Flüchtlingslager und eine schwer zu beherrschende Pandemie. Politiker im permanenten Krisenmodus. Die Welt wird zunehmend unregierbar. Zum Glück gibt’s den Himmel.

Eine Handvoll Reiche und eine Welt voll Arme. Und immer mehr Geld in immer weniger Taschen.

Zum Glück gibt’s den Himmel. Den Himmel. Die Wirklichkeit Gottes. Nicht nur für ein paar Privilegierte. Wer hinein will, darf hinein. Licht und Liebe ohne Ende und für alle. Wasser und Wärme, so viel man braucht. Glück und Gerechtigkeit auf ewig.

Nein, was wir erleben und erleiden, ist nicht alles, ist nicht das Letzte. Zum Glück. Zum Glück ist Jesus von den Toten auferstanden und zum Glück gibt es den Himmel. Es gibt mehr. Anderes. Und darum Hoffnung und Zuversicht gegen allen Augenschein. Und Mut und Tatkraft. Denn die Aussicht aufs Jenseits stärkt die Hände fürs Diesseits. Wer Auferstehung feiert und an den Himmel glaubt, dem kann die Erde nicht gleichgültig sein. Wie sie dem nicht gleichgültig war, der aus Liebe zur Erde den Himmel verlassen hat. Die an den „Vater unser im Himmel“ glauben. Die wissen, dass unsere Zeit in seine Ewigkeit mündet. Der himmlische Vater ist auch auf der Erde, aber ja. Teilt unsere Zeit. Ist mittendrin in allem Elend, in aller Zerrissenheit. Aber er geht nicht in der Erde auf und schon gar nicht in der Zeit. Und wir müssen es auch nicht.

Je älter ich werde, je chaotischer mir diese Welt erscheint, desto mehr sehne ich mich nach dem Himmel. Und ich danke Gott, dass er das Ziel meines Weges ist. Das Ziel der Welt und aller Zeit. Auch hier und jetzt ist seine Wirklichkeit erfahrbar, in dieser Welt und in meinem Lebensalltag.

Ich bete darum immer bewusster: „Vater unser im Himmel. Dein Reich komme!“ Und ich bekenne immer fröhlicher: Jesus „aufgefahren in den Himmel.“ Und ich weiß, dass ich hinterherfahre, wenn meine Zeit gekommen ist. Bis dahin pflanze ich gelassen meine Apfelbäumchen.

 

Pfarrerin Esther Gommel-Packbier