Liebe Leserinnen und Leser!

In den Wochen vor Weihnachten sitzen in Amerika in den Kaufhäusern Weihnachtsmänner, die die Kinder der Kunden einladen, ihnen ihre Weihnachtswünsche ins Ohr zu flüstern.

Dabei ereignete sich in einem New Yorker Kaufhaus Folgendes: Ein sechsjähriges Mädchen geht auf den Weihnachtsmann zu und plappert ihm munter ins Ohr. Sie redet auf den Mann ein, fragt, hört zu und redet wieder. Als sie schließlich fertig ist, fragt die Mutter: „Kind, was hast du denn die ganze Zeit erzählt?“ Darauf die Kleine: „Mama, er wird doch nach Weihnachten arbeitslos. Da habe ich ihm von der Stelle in Papas Büro erzählt, die nächstes Jahr frei wird.“

Kess und frei spricht das Mädchen aus, worüber sie sich Gedanken macht. Schließlich hat er nur kurz vor Weihnachten Arbeit. Nach dem Verteilen der Geschenke gibt es nichts mehr zu tun.

In den Überlegungen des Mädchens schwingt eine wesentliche Frage mit: „Was wird denn nach Weihnachten aus Weihnachten? Wie passen das Weihnachtsfest und der sich anschließende Alltag zusammen?“

Zu Weihnachten sind wir in besonderer Weise geneigt, aus unserem Alltag herauszutreten und die Nöte, die uns belasten, zu vergessen. Das gehört zu einem Fest dazu, und den einen ist dies möglich, anderen weniger. Wem es gelingt, dem ist es wie ein Atemholen der Seele.

Aber Weihnachten löst unsere Probleme nicht. Wer vor Weihnachten Nöte mit sich herumträgt, wird dies vermutlich auch nach Weihnachten tun. Allerdings kann Weihnachten uns Mut machen, mit den Sorgen anders und neu umzugehen.

Zu Weihnachten reden wir von der „Menschwerdung Gottes“. Gott wird Mensch. Einer wie wir. In Jesus wird deutlich, wie sich Gott in unser Leben einmischt, neue Kräfte mobilisiert. Unsere Probleme sind nicht einfach weg, aber wir bleiben nicht allein damit. Gott arbeitet mit uns und durch uns daran.

Darum wird nach Weihnachten Gott nicht arbeitslos sein. Im Gegenteil. Gott hat zu tun. Mit uns!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein lebendiges und friedvolles neues Jahr 2024.

 

Ihre Pfarrerin

Esther Gommel-Packbier