Mit diesen wunderbaren Worten aus dem 4. Buch Mose werden Sie seit ein paar Wochen begrüßt, wenn sie von der Straße „Auf dem Damm“ aus unseren Friedhof betreten. Schon seit längerer Zeit wünsche ich mir, dass wir auf unserem Friedhof deutlicher zeigen, dass wir ein christlicher Friedhof sind. Ein Spender, der nicht genannt werden möchte, hat uns nicht nur den Familiengrabstein überlassen, sondern auch die Kosten für die Steinmetzarbeiten übernommen. An dieser Stelle nochmals ein ganz herzliches Dankeschön dem Spender!

Und nun beobachte ich, dass an diesem Begrüßungsstein immer wieder Menschen stehen bleiben, den Stein, die wunderbare Bepflanzung und sich von den Segensworten „Der Herr segne dich und behüte dich“ berühren lassen.

Ich weiß nicht, welche Bilder Sie im Kopf haben, wenn sie an Segen denken. Einschulungen, Trauungen, Taufen oder Konfirmationen, in denen Familien, Paaren, Kindern oder Jugendlichen ganz individuell Gottes Segen zu gesprochen wird. Das sind die großen Ereignisse. Anlässe, die man gerne mit Freunden und der Familie feiert. Neuaufbrüche. Wendepunkte.

Ich denke weiter an unsere Gottesdienste. Ich höre vertraute Segensworte:
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Der Herr segne dich und behüte dich;
Der Herr segnet. Dieses Wort ist bezeichnend im wahrsten Sinne des Wortes. Denn unser deutsches Wort „segnen“ stammt von dem lateinischen „signare“ und bedeutet nichts anderes als kennzeichnen. Wer gesegnet ist, der ist von Gott markiert. Dahinter steht die uralte Vorstellung, dass es Dinge gibt, die von dieser Markierung angezogen werden wie Motten vom Licht: Wohlstand, Gesundheit, Glück und Frieden.
Der Herr behüte dich
. Noch nie habe ich den Satz „Bleiben Sie behütet“ so oft gesagt oder gehört wie in dieser Corona-Zeit.
Es gibt Zeiten, da wirst du stärker als sonst merken, dass deine Gesundheit, deine Miete, dein Glück gefährdet sind, deine Kräfte nur begrenzt. Du kannst dich nicht selbst behüten und brauchst es doch so sehr. In diesen Zeiten hilft es zu hören: Du bist nicht allein. Der Herr ist mit dir unterwegs. Er ist da, wo du bist, und hat dich als sein Kind markiert.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Ich habe neulich eine Maske gesehen, auf der stand: „I smile warmly under this mask“, also „ich lächele warmherzig unter dieser Maske“. Oft kann ich das strahlende Gesicht auch ohne eine solche Aufschrift auf der Maske an den leuchtenden Augen erkennen.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir. Egal wie wir uns selbst ansehen, ob uns gefällt, was wir im Spiegel sehen oder nicht. Gott sieht uns an. Und er strahlt dabei. Sie kennen das aus dem Alltag – so ein Angestrahlt-Werden kann einen Menschen verwandeln, manchmal in Sekundenbruchteilen. Die Mundwinkel gehen plötzlich nach oben und tief drinnen löst sich was. Das strahlende Gesicht meines Gegenübers wärmt wie die Sonne. Gut zu beobachten ist das, wenn Babys und Kleinkinder strahlen. Das Kleinkind nimmt Blickkontakt auf und lächelt und der Mann, der in der Bahn eben noch ernst vor sich hingestarrt hat, muss automatisch auch lächeln.
Der Herr sei dir gnädig. Gottes wohlwollender Blick trifft genau dorthin, wo es in uns alles andere als strahlend ist. Dorthin, wo deine Sorgen dich quälen, das Gewissen nagt, Fragen dich nicht schlafen lassen, mitten dorthin strahlt seine Gnade.
Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Frieden. Bei dem Wort muss ich unweigerlich aufseufzen. Ach Frieden. Wie schön, dass der Segen genau damit endet. Gott schenke dir Frieden. Den inneren Frieden, der sich ausbreitet, wenn du dich von Gottes leuchtendem Angesicht angesehen weist. Warm wie die Sonne. Und noch viel mehr den Frieden für die Welt. Dass endlich Friede werde. Gott leite deine Schritte auf dem Weg, der zum Frieden der Welt führt.

Gott bindet sich an diese Worte. Er ist es, der segnet. So heißt es: So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne. Gott selbst segnet. Daher gehört der Segen nicht nur in die Hände von Priestern und Pfarrerinnen. Jeder kann segnen und gesegnet werden. Wegen der Abstandsregeln übernehmen in vielen Gemeinden Eltern das Segnen ihrer Kinder bei der Taufe. Wenn Gott sich an diese Worte bindet, in ihnen mit uns ist, dann brauchen wir den Segen, wann und wo immer wir sind. Manche kennen das vielleicht noch von früher: Eltern segnen ihre Kinder, wenn sie morgens zur Schule gehen. Ein Segen vor einem Ausflug oder abends vor dem Schlafen. Beim Verteilen des Essens auf den Tellern, oder im Innehalten kurz davor. Vielleicht probieren sie es mal aus und sprechen einem Familienmitglied, ihren Kindern, einer Freundin einen Segen zu.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag!

Esther Gommel-Packbier, Pfr’in