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Predigt zur Konfirmation am 17. April 2011 - Pfarrer Ralf Johnen
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn - Liebe
Konfirmandinnen und Konfirmanden!
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das
Böse mit Gutem Römer 12,21; so die Losung für dieses Jahr und für eure
Konfirmation.
Eine klare Ansage, aber auch ein Schweres, es umzusetzen.
Denn was heißt das im Einzelnen. Paulus gibt selbst den besten Kommentar zu
diesem Vers: In den Versen davor heißt es:
Wenn andere Gläubige in Not geraten, steht ihnen zur Seite und helft ihnen. Seid
gastfreundlich und öffnet für Gäste euer Haus. Wenn ihr verfolgt werdet, weil
ihr zu Christus gehört, dann verflucht eure Verfolger nicht, sondern erbittet
den Segen Gottes für sie. Sind andere Menschen glücklich, dann freut euch mit
ihnen. Sind sie traurig, dann begleitet sie in ihrem Kummer. Lebt in Frieden
miteinander. Versucht nicht, euch wichtig zu machen, sondern wendet euch denen
zu, die weniger angesehen sind. Und bildet euch nicht ein, alles zu wissen!
Vergeltet anderen Menschen nicht Böses mit Bösem, sondern
bemüht euch allen gegenüber um das Gute. Tragt euren Teil dazu bei, mit anderen
in Frieden zu leben, soweit es möglich ist! Liebe Freunde, rächt euch niemals
selbst, sondern überlasst die Rache dem Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben:
»Ich allein will Rache nehmen; ich will das Unrecht vergelten«, spricht der
Herr. Handelt stattdessen so, wie es in der Schrift heißt: »Wenn dein Feind
hungrig ist, gib ihm zu essen. Wenn er durstig ist, gib ihm zu trinken, und er
wird beschämt darüber sein, was er dir angetan hat.«
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das
Böse durch das Gute!
Das sind klare Worte, die Paulus hier schreibt. So sollten
wir versuchen zu leben. Auf Böses, das wir selbst erfahren – böse Worte,
feindseliges Schweigen, Geringschätzung, Streit, vorenthaltenes Gutes – gilt es,
mit Gutem zu antworten – freundliche Worte, hilfreiches Schweigen, Verständnis
suchende Gedanken, Schritte des Friedens und der Versöhnung. Böses, das andere
erfahren – Nöte, Einsamkeit, Enttäuschungen, Mobbing (das moderne Wort für
Verfolgung) – können wir mit Gutem ausgleichen – Anteilnahme, Gastfreundschaft,
heilende Worte, Wertschätzung. Als Jahreslosung könnte dieses Wort Programm für
das Jahr 2011 sein, als Wort zu Konfirmation ein, Euer Lebensprogramm. Im Grunde
genommen sind es Selbstverständlichkeiten, hört sich aber ziemlich schwer an.
Gott möchte uns, möchte euch helfen. Ihr sagt heute bei eurer Konfirmation: Ich
möchte mein Leben mit dir, Gott, gehen. Wenn wir bei allem, was wir tun auf
Jesus sehen, zeigt er uns den Weg und es könnte vieles klappen. Auch dann, wenn
das Böse immer wieder auf fruchtbaren Boden bei uns fällt: Oft ganz
unspektakulär, in Form von alten Geschichten, die immer wieder in uns
hochkommen die unser Vertrauen erschüttern, die uns verletzt oder enttäuscht
haben. Wir fühlen uns ungerecht behandelt am Arbeitsplatz, von den
Klassenkameraden, vom Lehrer. Mensch, wenn ich könnte, wie ich wollte, dann…
Halt: Lass dich nicht überwinden, sondern überwinde! – ermutigt uns Gottes
Wort. Hau nicht drauf, sondern reiche die Hand zum Frieden. Erwärme dich für die
Sache Jesu.
Was heißt das:
Ich möchte Euch in und mit dieser vielleicht letzten Predigt, die ihr vorerst
hören werdet … ja schaut nicht so: letzte Predigt meine ich nicht deswegen, weil
ich aus dem Dienst ausgeschieden bin hier in Wickrathberg, sondern damit meine
ich euch, die ihr nach den beiden Jahren KU bestimmt eine Auszeit, eine
hoffentlich kurze Auszeit nehmt. Ich möchte euch etwas zum halten, behalten und
nachdenken geben. Nehmt euch bitte alle ein Teil aus der Kühltasche. Nehmt es in
eure Hände und ein kleines Handtuch zum abwischen. Haltet es fest in euren
Händen. Viele Menschen erleben unsere heutige Welt als kalt. Vielleicht so kalt,
wie diesen Eisblock, den ihr da in euren Händen haltet. So eiskalt können Blicke
und auch Worte wirken, dass Gefühle einfrieren und Menschen innerlich zu Eis
erstarren lassen. Wir sprechen da immer von Herz, weil es der Sitz der Gefühle
ist, für die Liebe. Vielleicht haben einige von Euch schon einmal ein Herz
irgendwo heimlich eingeritzt. Oder mit Kreide an die Wand geschrieben: I Love
Franni steht z.B. auch am Gemeindehaus. Oder es hat Euch geärgert, wenn Ihr in
einem Herzen von anderen mit einem Jungen oder einem Mädchen in Verbindung
gebracht wurdet. Denn so schnell wolltet Ihr euer Herz dann doch nicht
verschenken.
Das Herz ist das Symbol für die Liebe, aber darüber hinaus auch für die
Freundschaft. Beides gehört zu einem erfüllten Leben hinzu, Liebe und
Freundschaft. Und wie alles Wichtige im Leben können wir uns Liebe und
Freundschaft immer nur schenken lassen von den Menschen um uns herum und
letztlich von Gott, der uns damit Anteil gibt an seinem Segen.
Dagegen: steht das kaltes Herz, ein Herz, das sich nichts mehr wünscht, ein
Herz, das nicht mehr fühlt und auch nicht mehr verletzt werden kann, ein Herz,
das keine Schmerzen mehr fühlt. Es kann nicht mehr verletzt werden, es ist kalt,
eiskalt geworden.
In den letzten Jahrzehnten gibt es in unserer modernen Gesellschaft eine neue
Krankheit: Das "Burn-out-Syndrom". Menschen sind ausgebrannt, ausgepowert, weil
sie zu viel wollten, weil sie ihr inneres Feuer nicht gehütet oder nicht genährt
haben. Viele Menschen heutzutage sorgen sich mit größtem Einsatz für alles
Mögliche: Die Kleidung, den Körper, das Haus. Aber ihr Herz, ihre Seele, ihr
inneres Feuer vernachlässigen sie. Ob deshalb heute so viele von sozialer Kälte
in unserer Gesellschaft sprechen? Die Finanz- und Wirtschaftskrise lässt grüßen.
Gier und Geiz ist Geil – Schlagworte unserer Tage. Wie viele sind nur noch cool,
dann eiskalt, und zeigen anderen die kalte Schulter. In wie vielen Beziehungen
ist die Begeisterung füreinander erloschen, die Liebe erkaltet, herrscht eisiges
Schweigen, ist wahrlich der Ofen aus. Eiszeit ist angesagt. Da fröstelt es
einen.
Fröstelt es euch? Ist das unangenehm in Euren Händen? Haltet ihr es noch aus?
Oder tun die Hände weh? Schmilzt das Eis? Cool sein – das ist für viele zum
Begriff geworden. Es gibt coole Typen, coole Klamotten, coole Musik, da klingt
ein Stück Bewunderung heraus. Aber ein cooles Herz? Ein Herz, das sich durch
nichts und niemanden erreichen, geschweige denn erwärmen lässt? Das kleine Stück
Eis, das ihr da in euren Händen haltet, ist inzwischen durch eure Wärme schon
ein bisschen aufgetaut, beginnt vielleicht sogar schon zu tropfen.
Von manchen Menschen sagt man, dass von ihnen Wärme ausgeht. Ihre Nähe strahlt
eine Wärme aus, in der man sich wohlfühlen kann – bis dahin, dass es einem warm
uns Herz wird. Menschen, die solche Herzenswärme ausstrahlen, schenken anderen
das Gefühl, sicher, geborgen und willkommen zu sein, vermitteln eine herzliche
Atmosphäre, in der man sich einfach wohl in der eigenen Haut fühlt und so sein
kann wie man ist. Der Eisblock in euren Händen schmilzt langsam, aber sicher.
Langsam und genauso sicher habt ihr alle inzwischen entdecken können, dass da
etwas ‚auf Eis gelegt wurde‘. Habt ihr es schon befreit? Eure Wärme hat das Eis
zum Tauen und ein kleines Herz, ein kleines rotes Herz zum Vorschein gebracht.
Mit mehr Kälte hättet ihr das Herz niemals befreit, sondern nur mit Wärme, mit
der Herzenswärme, die Gott uns gegeben hat. Es ist nicht immer angenehm, die
Wärme zu verschenken. Es fröstelt einen selber. Man wird selber etwas kalt. Wir
müssen selber Wärme auftanken – bei Gott am besten.
So haben wir eben in der Lesung gehört:
Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm..
Gott schenkt uns seinen Geist, der uns lebendig macht, der
uns begeistern will und auch andere begeistern möchte, einen Geist, der uns
atmen, singen und tanzen lässt und einen Geist, der uns tröstet und uns
beisteht, wenn unser Herz schwer wird und zu erfrieren droht.
Ich schenke euch dieses rote Glasherz, das gleich bald ganz
aufgetaut ist.
Ich wünsche euch damit, dass ihr Gottes Liebe und Barmherzigkeit –
Warmherzigkeit ein Leben lang selbst spüren und anderen Menschen von dieser
Wärme abgeben könnt. Ihr bezeugt damit, dass ihr Gottes Kinder seid und bleibt.
Lasst eure Herzen erwärmen und erwärmt die Herzen anderer!
Und lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde
das Böse mit Gutem. Amen
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