Engel in der Bibel - Engel heute?

 

Nele Küsener,
 Gymnasium Odenkirchen,
12.Klasse ER1, 28.02.04,
Schuljahr 2003/2004

 

Inhaltsverzeichnis 

 

1 Einführung

2 Was sind Engel? – Kurzbeschreibung

3 Engelerscheinungen in der Bibel

            3.1 Analyse einer Erscheinung

                        3.1.1 Einführung in die Situation

                        3.1.2 Der Engel erscheint

                        3.1.3 Gideon wehrt sich gegen die Berufung

                        3.1.4 Gideon will Sicherheit

                        3.1.5 Gideons Reaktion und sein weiteres Leben

4 Engelerscheinungen in der heutigen Zeit?

            4.1 Analyse einer Erscheinung

                        4.1.1 Einführung in die Situation

                        4.1.2 Der „Engel“ erscheint

                        4.1.3 Der „Engel“

                        4.1.4 Wie wurde die Plünderung verhindert?

5 Vergleich der beiden Engelerlebnisse

6 Schlusswort

7 Quellenverzeichnis

8 Anhang

 


1 Einführung

In der 11. Klasse wurde im Evangelischen Religionsunterricht das Thema „Engel“ kurz angesprochen. Mich haben die Erscheinungen sehr fasziniert, deshalb wollte ich mehr darüber erfahren. Die Facharbeit im Fach Religion gibt mir nun die Gelegenheit mich etwas näher mit dem Thema „Engelerscheinungen“ zu beschäftigen und zu untersuchen, ob den Menschen heute immer noch Engel Gottes erscheinen.
Zu Beginn möchte ich kurz zusammenstellen, was man im Allgemeinen unter Engeln versteht und woher dieser Begriff kommt. Danach werde ich eine Engelerscheinung aus der Bibel analysieren. Die zweite Erscheinung ist aus der heutigen Zeit und ich werde bei der Analyse darauf eingehen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass es sich hier um einen wirklichen Boten Gottes handelt.  Im letzten Teil werde ich die beiden Erscheinungen vergleichen und untersuchen, in wie weit sie sich unterscheiden oder ähneln.

2 Was sind Engel? – Kurzbeschreibung

Das Wort »Engel« stammt, durch das Lateinische übertragen, vom griechischen Wort „άγγελος“[1] ab, das soviel wie »Bote« bedeutet. Für die Menschen in der Antike war es zu Anfang nur ein neutraler Begriff für jede Art von Boten, die Nachrichten überbrachten. Erst im Laufe der Zeit wurde mit dem Wort „ángelos“ nur noch ein göttlicher Bote in Verbindung gebracht und das Wort bekam somit seine theologische Bedeutung.
Die Gestalt der Engel ist von Erscheinung zu Erscheinung verschieden. In der Kunst werden sie meistens als Wesen mit Flügeln, blonden Locken und einem weißen Gewand dargestellt.
Gott schickt Engel zu den Menschen auf die Erde um ihr Leben nachhaltig zu verändern, ihr Leben zu Retten oder um ihnen in einer schwierigen Situation beizustehen. Zu ganz besonderen Menschen schickt er manchmal auch seinen eigenen Engel und spricht dann durch diesen selber mit den Menschen.

3 Engelerscheinungen in der Bibel

In der Bibel sind zahlreiche Engelerscheinungen aufgeschrieben, bei denen Gott einen Engel auf die Erde schickt um das Leben eines Menschen zu verändern. Ich habe mir aus der Vielzahl der Geschichten eine typische herausgesucht. Sie steht in der hebräischen Bibel bei Richter 6, 11 – 24. Dort wird Gideon von einem Engel Gottes zum Richter berufen.

3.1 Analyse einer Erscheinung

3.1.1 Einführung in die Situation

Die Geschichte ereignet sich im Spätsommer in der Nähe der Stadt Ofra, die ungefähr 20 km nördlich von Jerusalem liegt[2] auf einem Feld bei einer Eiche. Für uns ist es heute nicht mehr nachvollziehbar, wo dieser Ort genau war, aber damals scheint dieser Baum etwas besonderes gewesen zu sein, denn in Vers 11 heißt es ausdrücklich: „die Eiche bei Ofra; die gehörte Joasch.“ Die meisten Menschen kannten damals diesen Platz und konnten sich die Situation gut vorstellen.
Der Mensch, dem der Engel erscheinen wird, ist ein junger Mann namens Gideon, der ein Sohn des Joasch ist. Er drischt möglichst unauffällig Korn in einem Behälter, den man sonst zum Wein machen verwendet, damit die Midianiter, die das Land besetzten
[3],  nicht auf die Ernte aufmerksam werden.

3.1.2 Der Engel erscheint

Bei dieser Tätigkeit bekommt Gideon Besuch auf dem Feld von einem Engel. Er bemerkt erst am Ende der Geschichte, dass es sich um einen Boten Gottes handelt und somit muss man annehmen, dass der Engel ihm in der Gestalt eines Wanderers erscheint.[4] Es wird keine Angabe dazu gemacht, wie der Engel aussieht. Die einzige Information die man erhält, ist, dass er einen Stock in der Hand hält.[5] Wahrscheinlich ist er landestypisch gekleidet.
Der Engel beginnt das Gespräch mit der Aussage:„Der Herr mit dir, du streitbarer Held!“
[6] Das ist für Gideon Anlass um seinem Unmut über Gott freien Lauf zu lassen. Er versteht nicht, wie Gott es zulassen konnte, dass die Midianiter das Land besetzen.
Daraufhin überbringt der Engel seine Botschaft und prophezeit Gideon, dass er Israel von den Midianitern befreien wird.
Im Laufe der Geschichte verändert sich die Person des Engels, denn im Text steht nicht mehr, dass der Engel redet, sondern  „Der Herr“ spricht. Gott spricht durch seinen eigenen Engel selbst zu Gideon. Gott hat zu Gideon seinen Engel geschickt und erweist ihm damit eine große Ehre.

3.1.3 Gideon wehrt sich gegen die Berufung

Gideon ist sehr erstaunt über diese Botschaft für ihn und versucht die Aufgabe nicht anzunehmen, indem er angibt zu klein und zu einflusslos zu sein.[7] Er fühlt sich geschmeichelt auserwählt zu sein, aber er ist noch nicht von sich selbst und seiner Stärke überzeugt. Nachdem der Engel ihm zu gesprochen hat, dass Gott selber ihn bei dieser Mission unterstützen wird, sieht Gideon ein, dass er keine andere Wahl hat und den Auftrag annehmen muss.
Er ist sich trotzdem noch nicht ganz sicher, dass es sich auch wirklich um den Engel Gottes handelt und so stellt er ihn auf die Probe.

3.1.4 Gideon will Sicherheit

Gideon beginnt zu verstehen, dass es kein normaler Wanderer ist, der da zu ihm aufs Feld gekommen ist. Durch den Auftrag hat er den Verdacht, dass es sich um einen Boten Gottes handelt. Aber er ist sich nicht sicher, ob es nur ein normaler Engel ist oder der Engel Gottes. Er weiß, dass der Engel Gottes selber nichts isst und trinkt.[8] Die einzige Möglichkeit um sicher zu gehen, dass es sich um den Engel Gottes handelt, ist ihm ein kleines Mahl zu bereiten. Wenn es nur ein einfacher Wanderer ist, wird er das Mahl mit Sicherheit annehmen. Gottes Engel wird es ablehnen.
Und Gideon wird nicht enttäuscht. Der Engel lässt Feuer aus einem Fels kommen und die Brote verschwinden. In dem Moment weiß Gideon sicher, dass er wirklich den Engel des Herrn gesehen hat. Genau in diesem Moment der Erkenntnis verschwindet der Engel.

3.1.5 Gideons Reaktion und sein weiteres Leben

Gideon erschrickt sehr, als er realisiert, was diese Erscheinung für ihn bedeutet, denn der alten Schrift nach, müssen die Menschen, die Gott selber gesehen haben sterben. Aber er hört noch einmal Gottes Stimme und dieser verspricht ihm, dass er nicht sterben müsse.[9] Zum Dank für seine Unterstützung baut Gideon Gott einen Altar an der Stelle  wo er erschienen war und gab ihm den Namen: „, Der Herr  ist Friede’“[10]
Gideon nimmt seinen Auftrag von Gott an und versucht ihn schnellst möglich in Wirklichkeit umzusetzen. Dazu ruft er  das ganze Volk zusammen. Nachdem Gideon nach Gottes Ratschlägen das Heer um einiges verkleinert hat, besiegt Gideon die Midianiter mit 300 Mann.
[11]
Er hat auf Gott vertraut und sein Vertrauen hat sich gelohnt, denn es ist alles so eingetreten, wie der Engel es vorhergesagt hat. 

4 Engelerscheinungen in der heutigen Zeit? 

Heute gibt es Meterweise Literatur zu Engeln. Es gibt Bücher in denen beschrieben wird, wie man Kontakt zu seinem persönlichen Schutzengel aufnehmen kann oder welche, in denen Engelerlebnisse aufgeschrieben und sofort analysiert sind. Besonders zur Weihnachtszeit wimmelt es überall von Engelbildern und Engelgeschichten. Wenn man sich diese Geschichten anschaut, stellt sich schnell die Frage: Erscheinen in diesen Geschichten wirkliche Boten Gottes oder ist alles nur ein glücklicher Zufall? Ich habe mir für meine Analyse eine Geschichte ausgesucht, die Paola Giovetti in ihrem Buch „Engel - Die unsichtbaren Helfer der Menschen“ aufgeschrieben hat.

4.1 Analyse einer einzelnen Erscheinung

4.1.1 Einführung in die Situation

Das Erlebnis passierte im Jahre 1942 in China in einer kleinen Buchhandlung, die christliche Literatur verkaufte. Zu dieser Zeit waren weite Gebiete des Landes durch die Japaner besetzt. An einem Morgen war der Verkäufer, „ein chinesischer Christ“[12] allein in der Buchhandlung und er sah, wie japanische Soldaten mit einem LKW vorfuhren, auf dem schon sehr viele Bücher lagen. Er wusste sofort, dass sie gekommen waren um den Laden zu plündern.

4.1.2 Der „Engel“ erscheint

Der Buchhändler ist in einer sehr bedrückenden Lage. Er weiß, dass er gegen die Soldaten nichts ausrichten kann und fürchtet vielleicht um sein Leben.
Genau in diesem Augenblick erscheint ihm ein „Engel“. Er bemerkt erst am Ende der Erscheinung, dass es sich nicht um einen normalen Menschen handelt, denn das Äußere unterscheidet ihn nicht von anderen Chinesen. Der „Engel“ betritt das Geschäft kurz bevor die Japaner dies tun können ganz normal und ist gekleidet, wie ein gut situierter Chinese. Der „Engel“ informiert sich kurz, was die Japaner vorhaben und betet dann mit dem Verkäufer so lange, bis die Japaner wieder weg fahren. Es findet keinerlei Kommunikation mit den Soldaten statt. Es ist sehr ungewöhnlich, dass die Plünderung nicht erfolgt.
Der „Engel“ scheint irgendetwas an sich zu haben, das es den Japanern unmöglich macht das Geschäft zu plündern.
[13] Die ganze Zeit, die der „Engel“ in dem Buchladen verbringt, betreten die Soldaten den Laden nicht.

4.1.3 Der „Engel“

Ich denke, dass dieser Chinese ein Bote Gottes ist.  Die ganze Zeit, die er in der Buchhandlung verbringt, interessiert er sich nicht für die Bücher. Solange die Japaner noch da sind, ist dieses Verhalten noch nachvollziehbar, aber als die Japaner weg sind, verabschiedet er sich und geht sofort. Der Verkäufer hat noch nicht einmal Zeit sich bei ihm zu bedanken. Durch das gemeinsame Gebet stärkt er den Verkäufer. Daher komme ich zu der Erkenntnis, dass der „Engel“ schon mit dem Vorsatz dem Verkäufer zu helfen und die Plünderung zu verhindern in die Buchhandlung gekommen ist. Wenn er ein anderes Anliegen gehabt hätte, hätte er dieses erledigt, nachdem die Japaner gefahren waren.

4.1.4 Wie wurde die  Plünderung verhindert?

Diese Situation ist nun auf verschiedenen Wegen zu interpretieren. Was hat die Japaner abgehalten den Laden zu betreten? Ein ungläubiger Mensch würde sagen, dass sie keine Zeugen bei der Plünderung haben wollten. Ein Gläubiger würde sagen, dass von dem Engel eine Kraft ausgegangen ist, die die Japaner besänftigt hat und von ihrem Vorhaben abgehalten hat. Die japanischen Soldaten haben die ganze Zeit die beiden durch die Schaufenster beobachtet. Wahrscheinlich waren sie wie gebannt von der Körperhaltung der beiden Betenden. Der „Engel“ und der Verkäufer haben zwei Stunden lang durchgebetet. Dazu haben sie wahrscheinlich auf dem Boden gekniet, hatten die Hände gefalten und die Augen geschlossen. Durch dieses Beten hat der Verkäufer ein viel größeres Selbstbewusstsein erhalten. Es hat sich für ihn gelohnt, dass er an Gott geglaubt hat und ihn in dieser Situation um Hilfe gebeten hat. Ich denke, dass sich sein Glauben durch dieses Erlebnis gefestigt hat und er danach noch stärker an Gott und seine Kraft geglaubt hat. Wer einmal Gottes Nähe gespürt hat, wird Gottes Existenz nicht mehr leugnen.

5 Vergleich der beiden Engelerlebnisse

Auch wenn die beiden Erlebnisse aus völlig anderen Zeiten stammen, denke ich, dass man sie vergleichen kann und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen sind. In beiden Geschichten erhalten Menschen besonderen Besuch während ihr Land von fremden Truppen besetzt wird.
Beide Geschichten weisen ein typisches Merkmal für Engelerscheinungen auf. Sowohl Gideon als auch der Verkäufer erkennen erst im Nachhinein, dass ihnen ein Engel erschienen ist. Gideon hält seinen „Engel“ für einen Wanderer und der Verkäufer hält ihn für einen normalen Kunden. Die Engel nehmen also eine Gestalt an, die aus dem täglichen Umfeld der beiden stammen könnte. So ist gewährleistet, dass sie keine Hemmungen haben mit den Personen ein Gespräch zu führen.
Gideon hat die Chance den Engel zu prüfen um festzustellen um wen es sich handelt. Der Verkäufer hat dies nicht. Er kann nur daran glauben, „daß es sich bei dem Unbekannten um ein himmlisches Wesen gehandelt haben mußte.“
[14]
Die Folgen der Erscheinung sind für Gideon und den Verkäufer sehr unterschiedlich. Gideon hat den Auftrag bekommen Israel von den Midianitern zu befreien. Gott hat ihm seine Hilfe zu gesprochen und er „soll die Midianiter schlagen wie einen Mann.“
[15] Für ihn ändert sich die komplette Lebensplanung. Durch den Auftrag muss er sich an völlig neue Aufgaben gewöhnen. Er bekommt die Kraft sich von einem einfachen Bauernsohn zum Anführer des Volkes zu verändern. Er schafft es ein ganzes Volk von der Notwendigkeit seiner Aufgabe zu überzeugen. Gideon führt das Volk zum Sieg.
Der Verkäufer wird durch den „Engel“ vor einer Plünderung des Landens bewahrt. Er kann seinen Arbeitsplatz behalten und seine Existenz ist weiterhin gesichert. Vielleicht ändert sich seine persönliche Lebenseinstellung zum Glauben und zu Gott, aber er muss nicht wie Gideon auf Gott vertrauen und sein ganzes Leben ändern. Bei ihm ist es genau umgekehrt: der „Engel“ hat ihn davor bewahrt, dass sich in seinem Leben etwas Grundlegendes ändert. Er hat während der Zeit der „Belagerung“ auf Gott vertraut und dadurch die Plünderung verhindert.

6 Schlusswort

Zum Schluss möchte ich zusammenfassen, zu welchen Erkenntnissen ich gekommen bin. Die beiden Geschichten haben einige Gemeinsamkeiten. Beide spielen in einem besetzten Land und der Engel wird erst nach seinem Verschwinden als solcher erkannt.
Ich glaube, dass auch dem Verkäufer im Jahr 1942 ein Engel Gottes erschienen ist, denn der Verlauf der Geschichte lässt sich rational nicht erklären. Aber mit der Erklärung, dass der gut gekleidete Chinese ein Engel bzw. Bote Gottes war, ist dieses Ereignis eine typische Schutzengelbegegnung.
Ich denke nicht, dass alle Erscheinungen, die sich in der heutigen Zeit erzählt werden, wirkliche Engelbegegnungen sind. Für meine Recherche habe ich mehrere Bücher, Aufsätze und Berichte gelesen. Darin sind viele so genannte „Engelerscheinungen“ gesammelt. Einige von diesen  Erlebnissen fand ich glaubwürdig, andere nicht. Für mich sind besonders die Erlebnisse unglaubwürdig, bei denen die betroffenen Personen „Engel“ mit weißen Gewändern und Flügeln über sich fliegen gesehen haben. Diese „Engel“  sind jeweils nach einigen Minuten wieder verschwunden und haben ein Glücksgefühl bei ihrem Betrachter hinterlassen.
[16] Diesen Erscheinungen stehe ich eher skeptisch gegenüber. Ich denke, dass die meisten Engel uns heute in unseren Mitmenschen begegnen können. Ohne ein weißes Gewand und Flügel, dafür aber mit Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Mut und Stärke.
Durch diese Facharbeit bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass jeder Mensch für sich selber entscheiden muss, ob er an Engel glaubt oder nicht. Ich selbst glaube, dass es bis heute noch Engelerscheinungen gibt, die das Leben von Menschen nachhaltig verändern können.


[1] Adler, 1986, S. 27

[2] Die Bibel, 1985, Karte Umschlaginnenseite links

[3] Ri 6, 1

[4] Begrich, 2000, S. 77

[5] Ri 6, 21

[6] Ri 6, 12

[7] Ri 6, 15

[8] Begrich, 2000, S.78

[9] Ri 6, 23

[10] Ri 6, 24

[11] Ri 7

[12] Giovetti, 1989, S. 178

[13] Giovetti, 1989, S. 178

[14] Giovetti, 1989, S. 179

[15] sinngemäß zitiert nach: Ri 6, 16

[16] Moolenburgh, 1994, S. 78

7 Literatur- und Quellenverzeichnis

Titelblatt: Computerprogramm: SoftKey International, PowerAlbum, 1995, Version 3.04

Evangelische Kirche in Deutschland, DIE BIBEL Nach der Übersetzung Martin Luthers, Stuttgart, 1985

Giovetti, P., Engel – die unsichtbaren Helfer der Menschen, München, 82001

Begrich, G., Engel und Engelgeschichten in der Bibel, Stuttgart, 2000

Adler, G., Erinnerung an die Engel, Wiederentdeckte Erfahrungen, 1986

Deutsche Bibelgesellschaft, Suchen. Und Finden. 2003. Das Jahr der Bibel

Moolenburgh, H.C., Engel – Helfer auf leisen Sohlen, Freiburg im Breisgau, ²1994

Kochanek, H., ENGEL IM AUFWIND Gottes Boten auf der Spur, 2000

Freeman, E.E., Himmlische Begleiter, Bergisch Gladbach, 1993

Förderverein e.V., immer am Ball, c/o Amt für Altenhilfe, Heft 171, Dezember 2003, 33. Jahrgang

8 Anhang

 

„Der folgende Fall spielte sich 1942 in China ab, zu einer Zeit also, da große Teile des Landes unter japanischer Besetzung standen. Wir verdanken den Bericht über das Ereignis Dr. Nelson Bell, der damals am Krankenhaus von Tsingkiangpu, in der Provinz Kiangsu, arbeitete. Dr. Bell war Stammkunde einer christlichen Buchhandlung in Shanghai, wo er regelmäßig Bibel kaufte, um sie dann unter seine Patienten zu verteilen. In ebendiesem Geschäft trug sich die merkwürdige Begebenheit zu, von der jetzt die Rede sein soll.

Eines Morgens gegen neun Uhr hielt ein japanischer Militärswagen vor dem Buchgeschäft. Auf der Ladefläche saßen fünf Soldaten, und hinter ihnen türmten sich Stapel von Büchern. Der Verkäufer, ein chinesischer Christ, war zu der Zeit allein im Geschäft und begriff voller Angst, [dass] die Japaner gekommen waren, um den Laden zu plündern. Von Natur aus furchtsam, [wusste] er sofort, [dass] er nichts würde dagegen unternehmen können.

Die Soldaten sprangen von der Pritsche herunter und marschierten zielstrebig auf die Ladentür zu; aber noch ehe sie hineingehen konnten, überholte sie ein elegant gekleideter Chinese und betrat vor ihnen das Geschäft. Der Verkäufer kannte ihn nicht und war sicher, ihn noch nie zuvor gesehen zu haben. Aus einem unerfindlichen Grund schienen die japanischen Soldaten außerstande, dem Mann zu folgen. Sie blieben draußen stehen, starrten auf die vier großen Schaufenster, machten aber keinerlei Anstalten einzutreten. Der Unbekannte fragte den Verkäufer, was die Soldaten wollten. Der erklärte ihm, die Japaner räumten viele Buchläden in der Stadt aus, und nun sei offensichtlich dieses Geschäft an der Reihe. Die beiden Männer beteten zusammen, und der Unbekannte sprach dem Verkäufer Mut zu. So vergingen zwei Stunden. Während dieser ganzen Zeit standen die Soldaten vor dem Geschäft, doch keiner von ihnen unternahm auch nur den Versuch hereinzukommen. Schließlich saßen sie wieder auf und fuhren davon. Sofort verabschiedete sich der Unbekannte. Er hatte nichts gekauft, ja nicht einmal das geringste Interesse für Bücher bekundet.

Als einige Zeit später der Besitzer in den Laden kam, fragte ihn der Verkäufer: »Herr Lee, glauben Sie an Engel? « »Selbstverständlich«, antwortete Lee. »Ich auch«, meinte der Verkäufer. Dr. Bell, der die Geschichte erfuhr, war gleichfalls davon überzeugt, [dass] es sich bei dem Unbekannten um ein himmlisches Wesen gehandelt haben [musste].“

Auszug aus: „Engel Die unsichtbaren Helfer der Menschen“ von Paola Giovetti., 1989, Seite 178 – 179, 

Gideon zum Richter berufen

 „11 Und der Engel des HERRN kam und setzte sich unter die Eiche bei Ofra; die gehörte Joasch, dem [a]Abiësriter. Und sein Sohn Gideon drosch Weizen in der Kelter, damit er ihn berge vor den Midianitern.

12 Da erschien ihm der Engel des HERRN und sprach zu ihm: Der HERR mit dir, du streitbarer Held!

13 Gideon aber sprach zu ihm: Ach, mein Herr! Ist der HERR mit uns, warum ist uns dann das alles widerfahren? Und wo sind alle seine Wunder, die uns unsere Väter erzählten und sprachen: Der HERR hat uns aus Ägypten geführt? Nun aber hat uns der HERR verstoßen und in die Hände der Midianiter gegeben.

14 Der HERR aber wandte sich zu ihm und sprach: Geh hin in dieser deiner Kraft; du sollst Israel erretten aus den Händen der Midianiter. Siehe, ich habe dich gesandt![a]

15 Er aber sprach zu ihm: Ach, mein Herr, womit soll ich Israel erretten? Siehe, mein Geschlecht ist das geringste in Manasse, und ich bin der Jüngste in meines Vaters Hause.

16 Der HERR aber sprach zu ihm: [a]Ich will mit dir sein, dass du die Midianiter schlagen sollst wie einen Mann.

17 Er aber sprach zu ihm: Hab ich Gnade vor dir gefunden, so mach mir doch ein Zeichen, dass du es bist, der mit mir redet.

18 [a]Geh nicht fort, bis ich wieder zu dir komme und bringe meine Gabe und lege sie vor dir hin. Er sprach: Ich will bleiben, bis du wiederkommst.

19 Und Gideon ging hin und richtete ein [a]Ziegenböcklein zu und ungesäuerte Brote von einem Scheffel Mehl und legte das Fleisch in einen Korb und tat die Brühe in einen Topf und brachte es zu ihm hinaus unter die Eiche und trat hinzu.

20 Aber der Engel Gottes sprach zu ihm: Nimm das Fleisch und die Brote und lege es hin auf den Fels hier und gieß die Brühe darüber. Und er tat es.

21 Da streckte der Engel des HERRN den Stab aus, den er in der Hand hatte, und berührte mit der Spitze das Fleisch und die Brote. Da fuhr [a]Feuer aus dem Fels und verzehrte das Fleisch und die Brote. Und der Engel des HERRN entschwand seinen Augen.

22 [a]Als nun Gideon sah, dass es der Engel des HERRN war, sprach er: Ach, Herr HERR! Habe ich wirklich den Engel des HERRN von Angesicht zu Angesicht gesehen?

23 Aber der HERR sprach zu ihm: Friede sei mit dir! Fürchte dich nicht, du wirst nicht sterben.

24 Da baute Gideon dem HERRN dort einen Altar und nannte ihn »Der HERR ist Friede«. Der steht noch bis auf den heutigen Tag in Ofra, der Stadt der Abiësriter.“

Auszug aus: Suchen. Und Finden. Lutherbibel. Deutsche Bibelgesellschaft (Elektronische Bibel)

 

 

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